Praktikable Klimaschutz-Potentiale in der Abfallwirtschaft (2010)

Herausgegeben von Prof. Dr.-Ing. Arnd I. Urban & Dipl.-Ing Gerhard Halm
Fachgebiet Abfalltechnik
Institut für Wasser, Abfall, Umwelt


Die Antworten der Abfallwirtschaft auf den Klimagipfel von Kopenhagen
Martin Treder
Eine effektive und effiziente Abfallwirtschaft ist nicht nur in Deutschland ein wichtiger Baustein zum Klimaschutz. Gerade in den Entwicklungsländern hat Abfallwirtschaft zahlreiche Verknüpfungspunkte zu anderen Umweltbereichen – Energieversorgung, Bodenfruchtbarkeit, Trinkwasserschutz, Methanvermeidung bzw. -nutzung, Recycling von Rohstoffen, etc. Bei all diesen Prozessen greift der Mensch in den Klimahaushalt ein – ob positiv oder negativ. Der vorliegende Beitrag versucht mal eine andere Blickweise auf das Thema zu werfen, wie man dies normalerweise nur selten im Zusammenhang zwischen Abfallwirtschaft und Klimaschutz in Verbindung bringt.
Rechtliche Rahmenbedingungen für eine klimafreundliche Abfallwirtschaft
RA Hartmut Gaßner, Dr. Peter Neusüß
Die Abfallwirtschaft leistet bereits einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz, indem sie sich mehr und mehr von einer reinen Abfallwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft entwickelt und damit Treibhausgasemissionen in erheblichem Umfang einspart. Zudem werden Abfälle zur Vermeidung klimaschädlicher Methangasemissionen nicht mehr unmittelbar der Deponie zugeführt, sondern aufbereitet oder verbrannt. Dieser Prozess wurde durch den Gesetzgeber durch ordnungsrechtliche Vorgaben zunächst im Abfallgesetz und später im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz insbesondere mit der TASi und der Abfallablagerungsverordnung in Gang gesetzt.
Abfallwirtschaft als Klimaschutz
Dr. Barbara Zeschmar-Lahl, Prof. (apl.) Dr. Uwe Lahl
Die originäre Aufgabe der Abfallbeseitigung war und ist es, das im (Rest)Abfall vorhandene Potenzial an für Mensch oder Umwelt gefährlichen Organismen und Stoffen zu minimieren und damit die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden und Luft vor Verunreinigung schützen. Im Kontext der nachhaltigen Entwicklung hat die Abfallbeseitigung mittlerweile eine weitere Aufgabe erhalten: Sie soll die bereits aus der Erdkruste ausgebeuteten Ressourcen effizient nutzen, damit Primärressourcen schonen und die mit der Primärproduktion verbundenen Emissionen minimieren.
Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft
Dipl.-Ing. Günter Dehoust, Dr. Doris Schüler, Dipl.-Ing. Regine Vogt, Dipl.-Phys. Jürgen Giegrich, Dr.-Ing. Annette Ochs
In Deutschland sollen bis 2020 40% der Treibhausgase gegenüber dem Bezugsjahr 1990 reduziert werden. Um dieses anspruchsvolle Klimaschutzziel zu erreichen, müssen alle Klimaschutzpotenziale genutzt werden, die (wirtschaftlich) erschließbar sind. Dazu gehören insbesondere auch Maßnahmen zur Optimierung der Abfallwirtschaft. Hierzu werden zunehmend abfallwirtschaftliche Klimabilanzen erstellt, um die Potenziale und Wege zu deren Erschließung aufzuzeigen. Neben den energetischen Verfahren und dem stofflichen Recycling trockener Wertstoffe ist dabei immer auch die Bioabfallbehandlung ein Schwerpunkt der Untersuchungen.
Die Neuordnung von Entsorgungsstrukturen zur CO2-Reduktion
Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Scheffold
Die Schwerpunkte der kommunalen Entsorgung haben sich von der Erfassung und Beseitigung eines einzelnen Abfallgemisches im Behälter zur Sammlung im Umleerverfahren und der behälterlosen Sammlung von sperrigen Abfällen (Sperrab-fall) seit Ende der 1970iger Jahre hin zu einer diversifizierten Dienstleistung zur Schadstoffentfrachtung, Verwertung von Rohstoffen (Getrenntsammlung von Mono-fraktionen) und nach Sicherstellung einer geordneten Entsorgung hin zur energetischen Nutzung des Restabfalls entwickelt. Rund 413 örE organisieren in 16 Bundesländern diese Tätigkeiten, dazu kommen 9 Duale Systeme.
Methodik und Aussagekraft von Klimabilanzen
Paul Mußler, Dr. Sebastian Wolfgarten, Dr. Andrea Paulus
Der Klimawandel hat sich in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion als ein bedeutendes Thema des 21. Jahrhunderts etabliert. Ursache des anthropogenen Klimawandels sind die weltweit zunehmenden Treibhausgasemissionen durch die fortschreitende Industrialisierung. Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bedingt somit einen Wandel der bestehenden Produktionsstrukturen, der auf innovativen sowie effizienten Technologien und dem Ausbau regenerativer Energieträger basiert. Dieser Auffassung schließen sich mehr und mehr politische Entscheidungsträger, Verbraucher, Einzelhandelsunternehmen und Investoren an, die mit unterschiedlichen Ansätzen auf den Klimawandel reagieren.
Ressourcenschonung durch ortsnahe Entsorgung und Tourenoptimierung
Dipl.-Ing. Markus Weber
Seit Anfang der 1970er Jahre wurde der überwiegende Teil der ehemals über 50.000 überwiegend „wilde“ Müllkippen in Deutschland sukzessiv geschlossen. Heute hat die Abfallbehandlung eine deutlich zentralere Struktur, verbunden mit erheblich größeren Transportentfernungen für die Abfälle, besonders im ländlichen Raum. Die Konsequenzen sind ein erheblicher Anstieg der Abfalltransporte auf den Straßen und ein erheblicher Anstieg der CO2-Emissionen.
Potentiale der Treibstoffeinsparung durch Fahrertraining
Bernd Sackmann
Der Gesamtkraftstoffverbrauch des Straßengüterverkehrs aller in Deutschland fahrenden in- und ausländischen Nutzfahrzeuge lag 2008 bei rund 15 Mio. Tonnen flüssigem, konventionellem Dieselkraftstoff. Biokraftstoffe, die Diesel ersetzen bzw. ergänzen hatten 2008 nur noch einen marginalen Anteil von ca.5%. Der Straßengüterverkehr hat damit 2008 rd. 47 Mio. Tonnen CO2 imitiert[1]. Neuere Untersuchungen zeigen, dass selbst bei ambitionierten Nutzfahrzeugentwicklungen und Effizienzverbesserungen CO2- Emissionen weiter steigen werden, da Verkehrs- und Fahrleistungen des Straßengüterverkehrs Fortschritte bei den spezifischen Verbräuchen mehr als kompensieren.
Klimaschutz durch innovative Antriebe und Logistikkonzepte
Dipl.-Ing. Geerd Hübner
PowerPoint Präsentation mit 21 Folien
Abfallsammelfahrzeug mit dieselelektrischem Antriebssystem – Ein Beitrag zum Klimaschutz
Dipl.-Ing. Leif Börger
Die FAUN Umwelttechnik GmbH & Co.KG produziert an vier europäischen Standorten jährlich ca. 2000 Abfallsammelfahrzeuge und 150 AufbauKehrmaschinen. In der Regel werden die dazu benötigten Fahrgestelle vom Kunden beigestellt und mit dem passenden Aufbau ausgerüstet. Bei den Abfallsammelfahrzeugen (ASF) wird grundsätzlich zwischen Heckladern und anderen Typen unterschieden. Die Hecklader mit den Typen VARIOPRESS, POWERPRESS und ROTOPRESS erzeugen ca. 90% des Umsatzes.
Kompostieren - Vergären - Verbrennen Was ist vernünftig?
Dr. Hubert Seier
Der Umgang mit getrennt erfasster Biomasse - sei er nun vernünftig oder auch unvernünftig – ist seit geraumer Zeit ein Top Thema auf der Agenda zahlreicher Politiker, Wirtschaftsvertreter, Lobbyisten sowie Umweltschützer dieser Welt. Spätestens seit der denkwürdigen Welt-Klima-Konferenz von Kyoto (1997) zieht der viel zitierte Klimawandel vehement durch die Medienlandschaft. Seitdem wird auch heftig darüber gestritten wie zukünftig die Biomasse verwertet werden soll.
Ökoeffizienter Umgang mit Bio- und Grünabfällen
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Rommel, Dipl.- Ing. Thorsten Pitschke, Dr. Siegfried Kreibe, Dr. Jochen Cantner, Dr. Dieter Tronecker
Die Vielzahl an Verfahrensalternativen und die unterschiedliche Gestaltung der Erfassungssysteme führen zu einer großen Bandbreite von Strategien zur Behandlung biogener Abfälle in den entsorgungspflichtigen Gebietskörperschaften Bayerns. Ziel eines vom bayerischen Umweltministerium finanzierten Vorhabens war die Identifikation von Optimierungspotenzialen bei der Entsorgung von Bioabfall und Grüngut aus Haushalten in Bayern mit Blick auf ausgewählte ökologische und ökonomische Wirkungen. Dabei kam die Methodik der Ökoeffizienzanalyse zum Einsatz, die eine ökobilanzielle Analyse und eine Kostenbetrachtung gegenüberstellt. Die ermittelten Ergebnisse sind zwar spezifisch für Bayern, lassen aber durchaus verallgemeinernde Schlüsse zu.
Das Müllheizkraftwerk – ein optimaler Standort für die Errichtung einer Vergärungsanlagen
Dipl.-Ing. Uwe Athmann, Dipl.-Ing.(TU) Werner P. Bauer, Dipl.-Umwelting. (FH) Thomas Kroner, Prof. Dr.-Ing. Peter Quicker
Bioabfallbehandlungsanlagen sind wesentliche und bisher wenig beachtete Quellen für die kritischen Treibhausgase Methan und Lachgas. Da die europäische Kommission über die Abfallrahmenrichtlinie auf eine getrennte Sammlung und Verwertung von Bioabfällen hinwirkt und darüber hinaus das novellierte Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) der Bundesregierung die energetische Nutzung dieser Abfälle monetär fördert, wird sich diese Problematik aufgrund der zu erwartenden zunehmenden Kapazitäten zukünftig wohl weiter verschärfen.
Klimaschutzpotenziale der thermischen Abfallbehandlung
Marlene Sieck
Die Abfallwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. In Deutschland sind die Hauptpotenziale zur Treibhausgassenkung im Abfallsektor durch die Einstellung der Deponierung unvorbehandelten Siedlungsabfalls bereits ausgeschöpft. Bereits im Jahr 2006 hat die Siedlungsabfallwirtschaft einen Beitrag von 18 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zur Reduktion der gesamten Treibhausgase geleistet, das bedeutet gegenüber 1990 eine Senkung um 56 Mio. t CO2-Äq.
Klima- und Ressourcenschutz bei der Planung des neuen Betriebshofes Koblenz
E. Mannheim, Dipl.-Ing. Ulrich Krath
Die Stadt Koblenz realisiert im Norden des Stadtgebietes einen zentralen Betriebshof, um mehrere städtische Ämter und Eigenbetriebe an einem Standort zu konzentrieren. Ziel ist die Schaffung von Synergien in der Bereitstellung, im Betrieb und in der Unterhaltung von Büro- und Sozialbereichen, Werkstätten, Lagern und des Fuhrparks. Im Weiteren soll durch die Bündelung des Personals und der Geräteausstattung die Grundlage für eine Neuorganisation städtischer Aufgaben im Hinblick auf eine Serviceverbesserung für den Bürger mit geringerem Aufwand geschaffen werden.
Klima- und Ressourcenschutz am Beispiel des Recyclinghofes der Stadtreiniger Kassel
Stephan Brede
Die Stadtreiniger Kassel - Eigenbetrieb - betreiben im Rahmen ihrer abfallwirtschaftlichen Aktivitäten zwei Recyclinghöfe im Stadtgebiet Kassel. Im Zuge der Neubauplanungen wurden im Jahre 2006 ff. auch Fragen des Klima- und Ressourcenschutzes diskutiert. Im Folgenden wird auf Beispiele der Umsetzung eingegangen, wobei insbesondere das Thema des Baustoffes Holz, aber auch das Thema zum effizienten Betrieb des Gebäudes bezüglich Energiesparmöglichkeiten, Klima und Ressourcenschutz dargelegt werden.
Das BSR Biogasverwertungskonzept
Dipl. Ing. Thomas Rücker, Dr.-Ing. Alexander Gosten
Das Ziel der Bundesregierung ist die Reduzierung der Emission treibhausrelevanter Gase in Deutschland um 40 Prozent gegenüber 1990 bis spätestens 2020. Ein Ziel, das sich nur durch eine nachhaltige Wirtschaft – der Einsparung von Energie, der Erzeugung regenerativer Energie und eines effizienteren Energieeinsatzes – erreichen lässt. Die Abfallwirtschaft kann hierbei auch zukünftig besonders beim Thema Bioabfall einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Erreichung der Ressourcen-, Energie- und Klimaziele leisten.
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